Meine Geschichte
Ich war der Mann, der funktioniert hat.
Verlässlich. Belastbar. Immer da.
Von außen sah das stabil aus. Innen war es ein stilles Chaos aus Druck, Unsicherheit und der tief verwurzelten Überzeugung, nicht zu genügen.
Ich weiß heute, woher das kommt.
Als Kind wurde ich gemobbt. Nicht kurz, nicht harmlos. Es waren Jahre, in denen ich gelernt habe, mich klein zu machen. Unsichtbar zu sein. Bloß nicht anecken. Dieser Junge hat lange in mir weitergemacht – auch als ich längst erwachsen war.
Mit 20 starb meine Mutter. Ich war jung, noch längst nicht fertig mit mir selbst – und schon gar nicht der Mann, der ich hätte sein müssen. Mein Vater, mein Bruder – sie brauchten mich. Also war ich stark. Für sie. So, wie man das eben macht.
Ich packte meinen Schmerz weg. Tief. Und machte weiter.
Jahre später wurde ich Vater. Eine Rolle, die ich mir gewünscht hatte – und für die ich innerlich noch nicht wirklich bereit war. Und dann, nicht lange danach, stand ich mitten in einer Ehekrise.
Nicht weil ich ein schlechter Mann war. Sondern weil ich so tief in Bedürftigkeit und Anpassung gerutscht war, dass meine Frau nicht mehr wusste, wer ich eigentlich bin. Ehrlich gesagt – ich auch nicht mehr.
Der Moment, der alles verändert hat.
Es gab keinen dramatischen Wendepunkt. Keinen lauten Knall.
Nur einen Abend, an dem ich auf der Couch saß. Die Familie war im Hintergrund – ich hörte sie, aber ich fühlte nichts. Nur Erschöpfung. Und dann tauchte in mir eine Frage auf, die ich nicht mehr verdrängen konnte:
„Micha, wo bist DU eigentlich?“
Diese Frage hat mich erschüttert. Und gerettet.
Denn ich wusste: Ich war da für jeden. Nur nicht für mich selbst. Und dadurch letztlich für niemanden wirklich.
Der Weg zurück zu mir.
Ich begann hinzusehen. Zu mir selbst, zu meinem Schmerz, zu den Mustern, die ich als Kind gelernt und als Mann weitergetragen hatte.
Ich lernte, meine Bedürfnisse zu spüren – nicht als Schwäche, sondern als Orientierung. Ich lernte, Grenzen zu setzen. Nicht aus Wut, sondern aus Klarheit. Ich lernte, zu führen – nicht durch Kontrolle, sondern durch Präsenz.
Das war kein linearer Weg. Es gab Rückschritte, Widerstände, Momente des Zweifels. Aber irgendwann geschah etwas, das ich früher nicht für möglich gehalten hätte:
Meine Frau vertraute mir wieder – tief und wirklich. Mein Sohn suchte meine Nähe. Meine Tochter strahlte, wenn ich den Raum betrat. Männer kamen zu mir, weil sie meine Ruhe wollten.
Ich wurde der Mann, auf den ich früher immer gewartet hatte.
Warum ich tue, was ich tue.
Ich begleite Männer nicht, weil ich Methoden gelernt habe. Sondern weil ich diesen Weg kenne – von innen.
Ich kenne den Druck, immer funktionieren zu müssen. Die Erschöpfung dahinter. Und ich kenne den Unterschied zwischen einem Mann, der Verantwortung trägt, und einem Mann, der sie bewusst übernimmt.
Dieser Unterschied verändert alles. In der Partnerschaft. Als Vater. Im eigenen Leben.
Wenn du spürst, dass es Zeit für diesen Schritt ist – dann lass uns sprechen.
Michael Holzschuh
Mentor für Klarheit und Verantwortung
© Michael Holzschuh